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In einem Interview, welches wir letztens angehört haben, ist uns ein schönes Bild begegnet, das unsere aktuelle Weltlage gut auf den Punkt bringt und Mut macht, trotz aller inneren und äusseren Turbulenzen. Dieses innere Bild möchten wir gerne mit dir teilen:
Da ist ein Wald (unsere Welt), in dem momentan viele alte Bäume gewaltsam und laut krachend mit der Motorsäge gefällt werden. Diese alten Bäume waren uns viele Jahrzehnte lang treue Begleiter; es waren Orientierungspunkte wie Werte, Regeln des politischen und sozialen Miteinanders, Institutionen, Menschenrechte, Gewissheiten und viele mehr. Manche Bäume fanden wir wertvoll und wichtig, andere waren einfach schon immer da und wir haben sie nie wirklich in Frage gestellt, andere Bäume fanden wir kontrovers oder störend und haben uns an ihnen abgearbeitet.
Nun fällt momentan gefühlt sehr viel, sehr laut. Die Lautstärke und Wucht, das Krachen und Ächzen der Zerstörung verursacht Angst, Trauer und während des unkontrollierten Fallens auch einige Kollateralschäden an weiteren Bäumen und Gewissheiten.
Wenn wir uns von der tosenden Lautstärke nicht lähmen lassen, sondern einen Schritt zurück machen, können wir den Wald als Ganzes betrachten. Das Fallen der alten, liebgewonnenen Bäume bleibt dabei natürlich ein Verlust, doch im gleichen Bild passiert auch etwas ganz Wichtiges und Hoffnungsvolles fast unmerklich, ohne Getöse und grosse Gesten.
Dort, wo sich das Kronendach nun öffnet, entsteht nämlich nicht einfach Leere, sondern ein Möglichkeitsraum. Dort fällt auf einmal helles Licht auf all die kleinen Sämlinge am Waldboden, die viele Jahre schon vor sich hinschlummern.
Der Wald erneuert sich nicht trotz der Zerstörung – sondern durch sie.
Diese «Lücken» stellen jedem von uns ganz direkt die Frage: Was wollen wir in diesem Raum wachsen lassen? Welche kleinen Sämlinge sollen die neuen starken Bäume werden?
Wie im Wald entscheidet sich das nicht von selbst. Das Licht ist da, aber was darin wächst, hängt davon ab, wer den Raum nutzt.
Hierin liegt nun auch die Chance, den freien Raum nicht wieder im «Autopilot-Modus» mit dem Alten zu füllen, sondern sich wirklich diesen Schritt zurück zu gönnen und sich Gedanken zu machen. Wie kann ich zu einer Welt beitragen «von der unser Herz weiss, dass sie möglich ist», wie Charles Eisenstein so schön sagt? Wie kann ich Wachstumsimpulse für die guten Sämlinge aussenden, in meinem Alltag, in meinen Beziehungen, in meiner therapeutischen Arbeit?
Vielleicht magst du dir in diesem Monat April mal einen Moment Zeit nehmen für diese Fragen, die momentan so viel verändern können: Was möchte durch mich gerade wachsen? Und wo kann ich, in meinem kleinen Waldstück, zusammen mit anderen gute Sämlinge unterstützen?
Wir wünschen dir einen Monat, in dem du mitten im krachenden Wald das Licht erkennst und mutig dem Guten deine Hand reichst.
Herzlichst Julia und Valentin von gesund.ch
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