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Kennst du das auch, wenn man zusammensitzt und über das Weltgeschehen spricht – und irgendwie immer wieder an denselben Punkt kommt: dass gerade vieles schiefläuft und wer wofür verantwortlich ist? Uns passiert das jedenfalls immer wieder mal. Und das hat ja auch seine Berechtigung. Es ist wichtig, hinzuschauen, Missstände zu benennen und Dinge nicht einfach auszublenden.
Und trotzdem hinterlassen solche Gespräche oft kein gutes Gefühl und eine gewisse Schwere. Man dreht sich im Kreis und am Ende bleibt vor allem eines zurück – das Gefühl, dass die Dinge zu komplex sind und man selbst wenig daran ändern kann.
Das ist ein sehr menschlicher Schutz-Reflex. Wenn etwas zu unübersichtlich oder überfordernd wird, versuchen wir unser Herz zu schützen und die Dinge eher in der Ratio zu isolieren, sie mit einer kühlen Distanz und dem analytischen Verstand anzuschauen. Man informiert sich, ordnet ein, vergleicht, bewertet – und verurteilt gemeinsam die unliebsamen Protagonisten, weil das kurzfristig entlastet. Und dort bleiben wir oft hängen.
Uns ist dazu kürzlich in einem Vortrag von Rob Hopkins (dem Gründer der Transition Town Initiative) ein schönes Bild begegnet. Er beschreibt, dass wir als Gesellschaft ein wenig so wirken, als wären wir im ersten Akt eines Theaterstücks hängen geblieben und würden nicht mehr aus dessen Endlosschleife finden.
Im ersten Akt werden typischerweise erstmal alle Charaktere und die Ausgangslage der Geschichte beschrieben. Eigentlich sollte, nachdem "das Spielfeld" erklärt ist, dann im zweiten Akt die Geschichte losgehen und jede:r einzelne der Akteur:innen aktiv werden und sich aus dem Zusammenspiel aller etwas entwickeln.
Da wir aber immer wieder denken, wir müssten zuerst mal noch stehen bleiben, die allerneusten Geschehnisse wieder genau anschauen, verstehen und durchdringen, bevor wir handeln können, drehen wir uns immer weiter um die Analyse der Ausgangslage und die gemeinsame Geschichte kommt nicht richtig in den Fluss.
Was eigentlich dran wäre, wäre, dass wir uns zur Tür des zweiten Akts aufmachen und sich die Perspektive und damit die Dynamiken verschieben. An der Tür zur Handlung warten Fragen auf uns wie:
Wie ist das eigentlich ganz konkret mit mir? Was ist meine Rolle in der aktuellen Situation, mein Anteil an der Geschichte? Wie kann ich meine Rolle im zweiten Akt in einen positive(re)n Geschichtsstrang überführen?
Dann kann sich die Türe öffnen – und die Geschichte beginnen weiterzugehen. Es reicht dafür, mit kleinen Schritten in den zweiten Akt überzugehen: in einem Gespräch, das man anders führt, in einem Thema, bei dem man die eigene Verantwortung übernimmt, oder in einem Schritt vorwärts, den man schon länger vor sich herschiebt.
Vielleicht magst du dir in den nächsten Tagen hin und wieder einen Moment nehmen und dich fragen: Wo in meinem Alltag gibt es etwas, das mich stört – und an dem ich selbst beteiligt bin? Das könnte beispielsweise die Hektik im Alltag sein, die wir beklagen, während wir sie durch unser eigenes "Muss ich noch schnell erledigen" befeuern oder der fehlende Friede in der Welt, während es uns selbst schwerfällt, liebevoll und grossherzig zu kommunizieren.
Wo könnte ich einen kleinen, ehrlichen Schritt machen und mich selbst ermächtigen? Mehr braucht es oft gar nicht, damit eine Geschichte anders weitergeht.
Wir wünschen dir einen Monat, in dem du deine eigene Handlungskraft erlebst – und hier und da erlebst, wie Dinge in den Fluss kommen und sich zum Guten wenden, sobald wir nicht unbedingt mehr, sondern die Dinge anders tun.
Herzlichst Julia und Valentin von gesund.ch
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