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Der beginnende Sommer bringt eine besondere Fülle mit sich. Die Tage sind länger, die Abende wärmer, überall duftet, klingt und lebt es. Man ist vielleicht gerade auf dem Heimweg von der Arbeit, kommt an einem Restaurant vorbei, hört das Klirren von Gläsern, spürt die Wärme des Tages noch auf der Haut – und plötzlich taucht da ein Wunsch auf.
Nach mehr Zeit. Nach Leichtigkeit. Nach Ferien. Oder auch nach einem neuen Anfang oder nach etwas Schönem, das man sich gönnen möchte.
Solche Wünsche können uns beleben, motivieren, uns Richtung geben und zeigen, wo in der letzten Zeit etwas zu kurz gekommen ist.
Zum Thema unserer Wünsche ist uns vor Kurzem ein Satz begegnet, der uns zum Nachdenken gebracht hat:
Wünsche sind Strategien, um Bedürfnisse zu befriedigen.
Dieser Gedanke ist vielleicht ungewohnt, aber wirklich spannend – denn er verschiebt den Blickwinkel eine Ebene tiefer. Plötzlich geht es nicht mehr um den Wunsch selbst, sondern um das Bedürfnis, welches darunter liegt und die Frage tritt auf, ob die Verfolgung des Wunsches wirklich das bringt, was wir brauchen? Ob wir nach der Erfüllung dieses Wunsches dann wirklich glücklich werden, oder ob es eigentlich um etwas anderes gegangen wäre?
Vielleicht geht es beim Wunsch nach einer Reise gar nicht nur um den fernen Ort, sondern um Ruhe, Freiheit oder das Gefühl, wieder einmal ganz bei sich anzukommen. Vielleicht steckt hinter dem Wunsch nach beruflichem Erfolg das Bedürfnis, wirksam zu sein, anerkannt und mit den eigenen Fähigkeiten gesehen zu werden. Vielleicht geht es bei einer Anschaffung, die uns plötzlich so reizvoll erscheint, weniger um die Sache selbst – und mehr um Zugehörigkeit, Schönheit oder ein kleines Stück Selbstbestimmung.
Wenn wir so auf unsere Wünsche schauen, werden sie weniger zu Befehlen, denen wir folgen müssen. Sie werden zu Hinweisen, zu kleinen Wegweisern unseres Inneren.
Diesen Hinweisen zuzuhören ist besonders dann hilfreich, wenn ein Wunsch uns über unsere Kräfte hinauszieht. Das geschieht, wenn wir uns finanziell, zeitlich oder emotional nach etwas ausstrecken, das zwar verlockend scheint, uns aber auf dünnes Eis führt. Oft müssen wir oder geliebte Menschen dann vieles dafür opfern. Und darüber hinaus bleibt die Frage, ob es nach Erfüllung dieses einen Wunsches dann überhaupt «genug» ist?
Es wird einem bewusst, wie hilfreich es ist, dieses regelmässige «genaue Anschauen unserer Wünsche» als Praxis verinnerlicht zu haben. Wir können uns unsere Wünsche dabei wie einen kleinen Vogel vorstellen, der in unserer Hand landet. Anstatt ihm sofort hinterherzufliegen, nehmen wir uns erst einen Moment lang Zeit, ihn zu betrachten. Wir schauen ihn von allen Seiten an und fühlen auf den Grund, den er uns mitteilen will, bevor wir entscheiden, ob wir ihm folgen möchten.
Was möchte durch diesen Wunsch in mir gehört werden? Brauche ich gerade wirklich genau dieses Eine – oder sehne ich mich eigentlich nach einer tieferliegenden Qualität wie Erholung, Verbindung, Anerkennung, Liebe, Lebendigkeit, Zeit für Selbstbestimmung? Und gäbe es vielleicht eine einfachere, stimmigere Weise, diesem Bedürfnis zu begegnen?
Um etwas wiederzuerlangen, das uns fehlt, würde es in unserer heutigen Zeit ja oft eher darum gehen, etwas wegzulassen, als etwas neu hinzuzufügen. Das kann ein Termin weniger sein, ein Anspruch weniger, ein Müssen weniger. Damit schaffen wir uns Raum – für einen freien Abend, einen Spaziergang ohne Ziel, ein Nein, das uns aufatmen lässt.
Es geht also nicht darum, unsere Wünsche grundsätzlich abzuwerten, sondern darum, ihnen zuzuhören; darum, uns die Zeit zu nehmen, ein bisschen «mit unseren Wünschen zu sitzen» anstatt sofort in Aktionismus zu verfallen. Dabei offenbaren sie uns oft tieferliegende, ganz unspektakuläre, aber für uns grundlegend wichtige Bedürfnisse. Wenn wir diesen nachgehen, können wir uns mit kleinen Veränderungen wieder in die Balance bringen und schöne Dinge wie die anstehenden Ferien ohne ein Getriebensein geniessen.
Wir wünschen Ihnen einen sonnig-klaren Sommermonat mit Wünschen, die nicht treiben, sondern freundlich den Weg weisen ☀️
Herzlichst Julia und Valentin von gesund.ch
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