|
Nach diesem intensiven Sommer ist uns in der Natur als liebevolle Lehrerin eine schöne Analogie für unser Innenleben begegnet.
Der Sommer war mit seiner extremen Trockenheit und den langen Hitzeperioden ja eine ziemliche Herausforderung für unsere heimische Vegetation. An manchen Pflanzen, wie den Weinreben oder dem Feigenbaum, konnte man jedoch beobachten, wie diese trotz der heftigen äusseren Bedingungen scheinbar mühelos weitergewachsen sind und eine Fülle an Früchten hervorgebracht haben.
Die Feigenbäume zum Beispiel sind erstaunlich gut an trockene Bedingungen angepasst und entwickeln weitreichende Wurzelsysteme, um sich mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen. Wie tief Feigen dabei wurzeln können, zeigt eine wildwachsende Feigenart aus Südafrika besonders eindrücklich: Bei ihr wurden Wurzeln in bis zu 120 Metern Tiefe nachgewiesen – ein Rekord im Pflanzenreich. Ein einzelner Wurzelstrang bahnt sich dabei seinen Weg durch das Gestein in die Tiefe und hört erst auf zu wachsen, wenn er auf Grundwasser gestossen ist.
Was für ein Bild: Während an der Oberfläche vielleicht lange wenig Spektakuläres im Feigenbaum geschieht, investiert er einen grossen Teil seiner Kraft dort, wo wir sie nicht sehen können – in seine tiefe Wassersuche, in die Verwurzelung und damit in die Grundlage, die ihn durch trockene Zeiten trägt.
Diese Weisheit der Bäume gibt uns auch einen schönen Hinweis für unser eigenes Leben und für die «heissen», anstrengenden und herausfordernden Zeiten, die uns immer wieder begegnen. Wir haben zwar keine physischen Wurzeln, die wir in die Erde graben können, aber dafür eine grosse Kapazität des inneren Tiefgangs.
Wenn wir jeden Tag etwas Energie und Zeit dafür reservieren, in unserem Herzen tief zu graben, uns der inneren Arbeit zu widmen und uns nährende Kraftquellen zu erschliessen, entsteht nach und nach ein stabiles Fundament für unseren eigenen Lebensbaum.
Dabei treffen wir auch immer wieder auf harte Schichten oder einen Felsen, der uns Geduld und Kraft abverlangt. Und während wir im Inneren arbeiten, sieht im Aussen oft erst einmal noch niemand etwas davon. Oberirdisch scheint unser Bäumchen vielleicht noch hutzelig, die Früchte lassen auf sich warten oder sind nur wenige. Doch unter der Oberfläche geschieht Entscheidendes: Wir durchdringen Schicht um Schicht, verankern uns tiefer und treffen auf Kraftquellen, aus denen wir auch dann schöpfen können, wenn es im Aussen heiss und trocken wird.
In der Natur gibt es daneben auch Bäume mit deutlich flacheren Wurzelsystemen, wie beispielsweise die Fichten. Gerade in trockenen Sommern geraten sie schneller unter Stress. Auch das erinnert uns daran, dass sichtbares Wachstum allein noch nichts darüber sagt, wie gut etwas im Verborgenen verankert ist.
Hoffentlich können dich die Feigenbäume für den Oktober ermutigen, an deiner inneren Arbeit dranzubleiben, an der nächsten Gesteinsschicht nicht aufzugeben, um innerlich gefestigt und verbunden in die kommenden Zeiten zu gehen.
Der innere Weg mag nicht immer einfach sein. Doch je besser wir unsere eigenen Quellen erschlossen haben und je tiefer wir in uns verwurzelt sind, desto weniger sind wir darauf angewiesen, dass im Aussen immer ideale Bedingungen herrschen.
Wir wünschen dir einen guten Oktober mit genügend Energie, um deine innere Tiefe zu kultivieren – und mit dem Vertrauen, dass auch dort viel wachsen kann, wo es an der Oberfläche noch gar nicht sichtbar ist.
Herzlichst Julia und Valentin von gesund.ch
|